Goldammerstraße: Der Boden lebt — und wir staunen mit

Drei Monate später: Der Boden antwortet

Drei Monate nach unserem ersten Bodeneinsatz in der Goldammerstraße gab es heute die schönste Art von Überraschung: Unser erster Gründüngungsmix hat richtig gut funktioniert. Auf der Fläche wuchsen Sommerweizen, Schwarzhafer, Niger, Weißklee, Buchweizen, Ölrettich und Luzerne — und zwar nicht nur irgendwie, sondern kräftig, vielfältig und sichtbar bodenwirksam.

Wenn Gründüngung sichtbar wirkt

Schon beim Betreten der Fläche war klar: Der Boden ist nicht mehr derselbe wie bei unserer ersten Intervention. Er wirkt deutlich lebendiger, lockerer und besser durchwurzelt. Wir hatten die Grelinetten vorsichtshalber wieder mitgebracht — aber sie kamen gar nicht zum Einsatz. Herrlich, wenn Werkzeug umsonst getragen wird, weil die Pflanzen ihren Job gemacht haben.

Kleine Pflanzen, große Dokumentation

Bevor wir mit der eigentlichen Arbeit begannen, haben wir zunächst von den auf der Fläche gefundenen Gründüngungspflanzen kleine Proben genommen. Daraus entsteht ein Herbarium, das die Dokumentation des Projekts ergänzen wird. So bleibt nicht nur sichtbar, was wir tun, sondern auch, was die Fläche selbst in den einzelnen Phasen hervorbringt.

Mehr Leben auf der Fläche

Und diese Fläche bringt inzwischen einiges hervor: Wir haben zahlreiche Spinnenarten, Heuschrecken, Wild- und Honigbienen, viele Schmetterlinge und sogar eine kleine Maus beobachtet. Die Maus mit dem dunklen Rückenstreifen war vermutlich eine Brandmaus (Apodemus agrarius) — ganz sicher lässt sich das ohne Foto oder genauere Bestimmung natürlich nicht sagen, aber der dunkle Aalstrich auf dem Rücken wäre ein starkes Indiz.

Plan geändert – und genau richtig

Nach der Begutachtung der Fläche haben wir unsere Arbeitsmethode angepasst. Ursprünglich wollten wir die vorhandene Gründüngung mit unseren neuen Brettern niederdrücken. Vor Ort zeigte sich jedoch schnell: Das hätte die Anlage neuer Saatrillen eher erschwert. Also entschieden wir uns pragmatisch für einen anderen Weg. Wir mähten die Vegetation streifenweise, legten dadurch Saatkorridore frei und konnten dort neue Rillen ziehen.

Ein neuer Mix für mehr Bodenleben

In diese Rillen kam unser zweiter Gründüngungsmix. Diesmal ist die Mischung deutlich stärker auf Bodenaufbau und Stickstoffbindung ausgerichtet: Knapp 70 Prozent des Saatguts bestehen aus Fabaceae, also Leguminosen wie Ackerbohne, Saatwicke, Zottelwicke, Eiweißerbse, Inkarnatklee, unterirdischem Klee und Steinklee. Ergänzt wird die Mischung durch Gräser wie Hafer, Waldstaudenroggen und Winterroggen, durch Gelbsenf als Brassicaceae und durch Phacelia als blühende Begleitpflanze. Insgesamt soll diese Mischung den Boden weiter durchwurzeln, Nährstoffkreisläufe anregen, Biomasse bilden und das Bodenleben stärken.

Elf Menschen, ein Vormittag, viel geschafft

Heute Vormittag waren wir mit elf Menschen auf der Fläche. Dank der großartigen Unterstützung von Cemal, Özgür und Adil kamen wir viel schneller voran als erwartet. Auch Michael war vor Ort, begleitete die Aktion mit großem Interesse und setzte mit seiner Anwesenheit ein schönes Zeichen der Unterstützung für das Projekt. Um 13 Uhr war alles geschafft: gesät, gemulcht und angegossen.

Am 29. September geht es weiter

Jetzt beginnt die aufregende Phase des Wartens. Wir freuen uns schon darauf, die ersten Keimlinge zu sehen — und natürlich darauf, wie sich die Fläche in den kommenden Wochen weiter verändert. Beim nächsten Termin am 29. September geht es dann weiter: Regenwürmer und Mikroorganismen sollen die Revitalisierung der Fläche ergänzen und das Bodenleben weiter aktivieren. So bereiten wir die Goldammerstraße Schritt für Schritt auf den großen Pflanztag am 21. November vor.

Auf dem Weg zu Pflanztag

Bis dahin werden wir die Niederschläge im Blick behalten, die Fläche mindestens einmal pro Woche wässern und weiterhin Treffen und Workshops vor Ort anbieten — für Anwohnerinnen und Anwohner, Schulen, Initiativen aus dem Quartier und alle, die neugierig sind.

Lust mitzumachen?

Wer mitmachen oder mehr erfahren möchte, kann uns gerne schreiben:
buero@berliner-baeume.de

Die Fläche an der Goldammerstrasse nach der zweiten Gründüngung
Miniwald Goldammerstraße – Stand Ende August 2026